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Die Psychosomatik verwschwindet - Pillen her

Königswinter, 26.11.2021

Einzelschicksale oder Systemrelevant?

Dieser Artikel enthält, außer bei verlinkten Äußerungen, meine eigenen Empfindungen, meine eigenen Interpretationen der politischen Entwicklungen und eigene Rückschlüssse. 

Ich bin ein Einzelschicksal, ja klar. Lange Angstgeschichte, vielfach Psychiatrieerfahren, Psychosomatik war der Schlusspunkt hinter der Angstgeschichte.

Mein Glück war, der Zustand eskalierte, es ging mir immer schlechter, auch körperlich,  und so kam ich ins Krankenhaus.

Natürlich dort auch Psychiatrie, ich sollte Medikamente nehmen, lehnte ab und ärgerlich meinte der damalige Chefarzt:

(fast wörtlich zitiert) „Wenn Sie keine Medikamente nehmen wollen, dann müssen Sie ins Klösterchen gehen.“

Unfreundlich, als ginge es um etwas esotherisches, utopistisches.

Aber ich bar darum, mich dort anzumelden.

Dann einige später, zu Hause, erhielt ich einen Anruf, ich könne zum Vorstellungsgespräch kommen.

Verschüchtert fragte ich, ob man denn wisse, dass ich schon 30 Jahre Angst hätte. Ja, das sei bekannt. Wisse man denn auch, dass ich keine Medikamente nehmen würde. Mit einem leichten Lachen kam die Antwort: „Ja, kommen Sie mal ruhig her.“

Hoffnung oder Drohung?

Ich mache es kurz:

6 Wochen dauerte der erste Aufenthalt, nach 2 Wochen war die 30 Jahre dauernde Angst weg, sie kam nie  mehr wieder und ich konnte mich endlich den Hintergründen widmen.

Ja, das Klösterchen in Bonn, Offenbarung, es gibt Heilung, auch und/oder gerade ohne Medikamente.

Das ist nun fast 20 Jahre her, solange lebe ich, mit wachsender Begeisterung allein, unter sehr guter sozialer Anbindung, u.a. durch politische Arbeit.

Das Klösterchen wurde mittlerweile als psychosomatische Abteilung des Marienhospitals Bonn geschlossen, und, mit dem Versprechen, die Struktur zu erhalten, die Psychosomatik zu erhalten, in ein Krankenhaus nach Troisdorf verlegt.

Am 14.11.2021 feierten die Naturfreunde Bonn e.V., bei denen ich Mitglied bin, ihren Traditionellen Lichtermark. Viele Stände, viele Besucher, ein bekanntes Gesicht vom Klösterchen.

Natürlich sprach ich die Ärztin an, fragte nach dem Weitergang des Klösterchens und sie erzählte, es existiere nicht mehr, es wäre zur Psychiatrie geworden.

Kleiner Sprung:

In einenm Krankenhausplan von 2015 ist die Rede davon, man wolle durch die Zusammenlegung von Psychiatrie und Psychosomatik (man beachte, nicht Abschaffung der Psychosomatik), Deutschland dem europäischen Standard anpassen.

Tja, der europäische Standard, klar.

Das Problem, warum der anders ist als der Deutsche, mit viel weniger Psychosomatik, Deutschland hat eine Zeit, von 1933 bis 1945 erlebt, in der Menschen massenweise durch die menschenverachtende Dikatur der Nazis ermordet wurden, auch psychisch und geistig Kranke und dort waren auch Psychiater beteiligt.

Nach dieser Zeit gab es Psychiater, die sich von diesen Ärzten distanzierte und so entstanden die Psychosomatiken in Deutschland.

Qualifiziert nach zu lesen im Interview mit Dr. Darwig vormals Oberarzt im Klösterchen:

https://emotiratio.de/Gesundheitswesen/Interview-mit-Dr-med-Axel-Darwig

„Es gibt natürlich auch für die Zusammenlegung Argumente. Ein Argument ist, dass die Trennung von Psychiatrie und Psychosomatik ein Phänomen ist, das fast nur im deutschsprachigen Raum existiert. Das hat historische Gründe. Nach dem Krieg wollten die Psychotherapeuten, vor allem die Psychoanalytiker, mit den Psychiatern, die sich im zweiten Weltkrieg mit Euthanasiegeschichten die Finger schmutzig gemacht haben, nichts mehr zu tun haben. So hat sich ein separates Fachgebiet entwickelt mit eigenen Behandlungen und eigenen Kliniken. Die ersten Psychosomatischen Kliniken in Deutschland haben nach dem Krieg, Anfang der der 50er Jahre eröffnet. Vorher gab es diese Trennung nicht. Man könnte natürlich sagen, dass 70 Jahre nach Kriegsende das Trennende überwunden sein sollte. “

Nach der Äußerung von der Ärztin fragte ich Dr. Darwig genauer, wie das aussehe, wenn es zur Psychiatrie wurde, gegen das Versprechen der GFO (Die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO) ist eine sozial karitative Trägergesellschaft mit rund 60 Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe, im Krankenhausbereich und im Bereich Bildung.)
Er berichtete, dass von 9 Klösterchen-Ärzten/Therapeuten 8 sich einen anderen Arbeitsplatz suchten, die 9. musste ihren Aubildungsgang ändern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinn%C3%BCtzige_Gesellschaft_der_Franziskanerinnen_zu_Olpe)

Die Abschaffung des Klösterchens, die Abschaffung dieser Psychosomatik war mit Sicherheit von der Gemeinnützigen Gesellschaft  gemein, ohne Frage, Nützlichkeit ist nur für die Pharmaindustrie zu erkennen.

Arbeitet die Psychosomatik, arbeitete damals das Klösterchen, ohne Medikamente oder nur sehr reduziert mit Medikamenten, so sind sie in der Psychiatrie der Grundstock der Behandlung.

Dort stehen Medikamente an erster Stelle.

Im Klösterchen war es wichtig, die Ursachen der Krankheit zu bearbeiten, das geschah, wie meist in Psychosomatiken, tiefenpsychologisch-analytisch. Schmerzhaft, wohltuend, heilend, ohne Medikamente.

Die Veränderung, die Abschaffung der Psychosomatiken ist aber auch an anderen Dingen erkennbar. Vor kurzem noch hörte ich, ich glaube bei einer Fernseh-Talk-show, Depressionen hätten nichts mit Lebens, respektive, Arbeitsbedingungen zu tun, sie seien eine Erkrankung des Gehirns.

Auch das ist eine nicht-Beachtung der Ursachen.  Emotionale Vorgänge, hier Ärger über die Arbeitsbedigungen, über die Armut, die erzeugt wurde durch eine verfehlte Politik, die gute Arbeitsplätze in Minijobs aufteilte, können durchaus zu Depressionen führen, weil man meistens die Wut, den Ärger gar nicht loswerden kann und dann ist die Depression eine Agression gegen sich selber gerichtet.

In bestimmten Sendern gibt es eine spezielle Werbung, bezogen auf Depressionen:

„ Du hast dich total verändert. Früher warst du ganz anders. Du sprichst gar nicht  mehr mit uns.“ und dann: „Dann bist du zum Arzt gegangen, jetzt nimmst du Medikamente, alles ist wieder wir früher.“

Sicher helfen die Medikamente, haben aber auch viele Nebenwirkungen. Aber eins können sie nicht leisten, sie können keine Heilung herbei holen. Heilung kann es nur mit Therapie geben, mit bearbeiten der Ursachen. Medikamente stärken nicht die Persönlichkeit, nicht von innen heraus, sie stärken nicht die Individualität, sie passen allerhöchstens Menschen an die Gesellschaft an, damit sie entweder funktionieren oder als „nicht normal“ erkannt werden.

Normal - Verrückt

Die Mehrzahl der Menschen ist normal.

Sagt die Mehrzahl der Menschen.

Wir, die Minderheit, sind verrückt.

Sagt die Mehrzahl der Menschen.

Wenn sich die Welt

so weiter entwickelt,

werden immer mehr Menschen verrückt werden.

Ja, ich bin sicher, wir haben große Chancen

irgendwann die Normalen zu sein.

©by Sofie Stenzhorn, Königswinter, 2000-2020

Aber nicht nur diese Werbung fällt auf, auch die Werbung für Hogger Night, ein Schlafmittel, frei verkäuflich.:

Doxylaminsuccinat

Ähnliche Fragen

„Frage aus google Suche“

„Wie gefährlich ist Doxylaminsuccinat?

Durch gleichzeitige Anwendung von Hemmstoffen der Monoaminoxidase kann die anticholinerge Wirkung von Doxylaminsuccinat ebenfalls verstärkt werden, dies kann sich durch eine lebensbedrohliche Darmlähmung, Harnverhalten oder eine akute Erhöhung des Augeninnendruckes äußern.“

Und hier kann man die Nebenwirkungen dieses frei verkäuflichen Schlafmittels lesen.

https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Doxylamin_21690

Dass Melantonin-Gummikegelchen, gleich Fruchtgummikegelchen auf Zeitschriften aufgeklebt unverlangt als Werbung kommen, das wundert schon nicht mehr.

Wenn es früher, viel früher, einem schlecht ging kam oft der Rat „Kauf dir mal Klosterfrau Melissengeist, oder, komm, trink ein Bier“ und diese Ratschläge waren gegenüber den heutigen harmloser.

Die Systemrelevanz entsteht durch viele Einzelschicksale. Denn viele Einzelschicksale verändern die Gesellschaft.

Ich bin traurig, dass die Psychosomatiken abgeschafft werden, denn "Zusammenlegung" war eine Verschleierung.

Die Psychiatrien werden gestärkt, es heißt auch, wir müssen die Psychiatrien stärken. Warum wird nicht gesagt, aber bei den Veränderungen im gesellschaftlichen Leben, durch die Spaltung der Gesellschaft, in Arm und Reich, Mittelstand verschwindet ja auch immer mehr, entstehen natürlich mehr psychische Störungen und Erkrankungen und da die Politik, eigene Interpretation, sie als Störungen betrachtet, weil sie, wenn man die gesellschaftlichen Verhältnisse betrachtet schnell auf die Ursache kommen kann, der erhöhten Erkrankungen, müssen diese natürlich schnellst möglich behandelt werden, die Pharmaindustrie ist glücklich und viele Menschen, medikamenten bedingt, erleben eine Oberflächenglückseligkeit.

Ich trauere um jeden, der nicht mehr die Chance erhält in einer Psychosomatik die Ursachen seiner  psychischen Erkrankung erkennen kann.

Ich würde mir wünschen, dass es ein Umdenken gibt, weg vom Klassifizieren von Menschen nach haben oder nicht-haben, hin zum sehen des Menschen, unabhängig von Haben oder nicht-haben. 



 
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