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 Ein gemischter journalistischer Blick auf die Schließung und Anbindung von Psychosomatischen Kliniken…



Königswinter, Juli, 2020


...und mein persönliches Erleben und meine Erinnerungen zur Schließung des Klösterchens, psychosomatische Abteilung des Marienhospitals Bonn. Und immer wieder das Gesundheitssystem, negativ, von den meisten Medien ignoriert, so als würde nix passieren. Pflegedienste und Pflegekräfte sind ja in aller Munde, was auch seine Berechtigung hat, wichtig ist, systemrelevant.

Corona in aller Munde, auch das wichtig, wie kaum sonst etwas, die steigenden Infektionszahlen zeigen es.
In aller Munde derer, die etwas ändern wollen, verbessern wollen.

Es gibt aber ein Thema, das ist in den Medien überhaupt nicht präsent.
Dafür interessiert sich niemand dafür.
Die Anschließung psychosomatischer Kliniken an Psychiatrien.


Durch die Schließung von Psychosomatischen Kliniken und Stationen soll der Deutsche Zustand dem europäischen Standard angepasst werden.

Da es in Deutschland, man muss leider sagen, gab, mehr psychosomatische Kliniken und Stationen gab als in ganz Europa ist es eine absolute Senkung der Qualität und es sind die Patienten, die darunter leiden werden.
Da ich beides erlebte, kann ich auch beides beurteilen.
Am 31.10.2020 schließen sich die Türen des Klösterchens, der psychosomatischen Abteilung des Marienhospitals Bonn, für immer.
Für mich ist es schrecklich, das zu hören. Das Klösterchen hat immer, wenn man psychiatrie geschädigt war, geholfen.
1972 begannen bei mir Angstzustände mit dem Symptom hinfallen.

Das hielt 30 Jahre an. Aber nicht mal ab und zu, von gesunden Phasen unterbrochen, oder ´durch Medikamente gelindert, nein, sie war Tag für Tag präsent.
Wenn ich die einzelenen Stunden, die ich alleine das Haus verlassen konnte, zusammenfasse, denn ich konnte das Haus nicht alleine verlassen, komme ich auf 1 Jahr und das ist schon hoch gefriffen.
Krankheit wurde zur Heimat, ich richtete mich ein in der Krankheit, sie brachte mir ersehnte Zuwendung, so war der Fehlschluss im Kopf, denn sie nahm mir einen großen Teil meines Lebens, was ich erst spät bemerkte.
Als ich 2002 im Euskirchener Krankenhaus war, hatte ich zwar die 1. Divertikulitis, aber natürlich wollten sie mich wieder auf die Psychiatrie verlegen.
Schon damals muss mein Unterbewusstsein hochbegabt gewesen sein, denn ich beendete das einrichten in der Krankheit, in der Psychiatrie, indem ich sagte: „Nein, ich nehme keine Medikamente mehr und dort müsste ich sie nehmen. „
Der Arzt wurde böse, schrie mir zu: „Dann müssen sie eben ins Klösterchen nach Bonn.“
Ich bat ihn dann dort anzurufen und für mich einen Platz zu reservieren.

Das machte er tatsächlich.

Als ich wieder zu Hause war, die Wartezeit war lang, rief eine Ärztin des Klösterchens mich an und nannte mir den Aufnahmetermin. Alle Medikamente solle ich mit bringen.

Das folgende, relativ kurze, Gespräch, sinngemäß zitiert.:

„Sie wissen aber doch, dass ich keine Medikamente nehme?“

Antwort: „Ja, das macht nichts.“

„Wissen Sie denn auch, dass ich seit 30 Jahren krank bin?“

„Ja, kommen Sie mal ruhig her.“

Damals dachte ich, „Eine Drohung oder ein Versprechen?“

Später war klar, es war ein Versprechen, die gleiche Ärztin sagte mir nämlich später:

„Haben sie keine Angst, ihre Seele kennt den Weg.“


Es war nach ca. 2 Wochen Therapie, als ich in einem Gespräch den Therapeuten so anschrie, dass man es vom 2. Stockwerk bis ins Erdgeschoss deutlich hören konnte.
Er saß nur da, in Kutscherhaltung und als ich fertig war, schaute er auf und sagte zu mir:

„Jetzt, gerade, in dem Moment, waren sie vollkommen gesund.“

Ich war verblüfft, kannte ich doch nur fixiert werden, wenn man „agressiv“ ist.

Ich wusste lange nicht mehr, genauer, bis vor einigen Wochen, was der Auslöser des Endes meiner Angstzustände und damit des Symptoms des Fallen-lassens war.

Aber vor ein paar Wochen fiel es mir wieder ein.
Er hatte, bezogen auf den Beginn der Krankheit, d.h., das erste hinfallen, gefragt, was denn passiert wäre, wenn ich nicht hingefallen wäre, keine Angst gehabt hätte.

Das konnte ich klar beantworten und mir wurde sehr viel klar, vor allen Dingen, diese Angstzustände, dieses Fallen-lassen, dass brauche ich nicht mehr, ich kann reden, ich kann für mich entscheiden, ich kann für mich handeln.
Das machte ich auch, als ich nach insgesamt 6 Wochen Therapie nach Hause fuhr, zu meinem damaligen Mann.
Soweit ich mich erinnere, übernachtete ich noch einmal dort, packte dann morgens meine Sachen und sagte, ich sei jetzt weg.

Er rief mir hinterher, ich hätte es mit ihm nicht geschafft, ich würde es auch mit keinem anderen schaffen.
Noch vor Wochen hatte ich gesagt, ich gebe ihm recht, ich habe es aber alleine geschafft.
Das ist falsch, durch ihn habe erkannt, dass ich nie auf Augenhöhe sein werde, dass ich immer minderwertig für ihn sein werde und dass die einzige Chance darin besteht, dafür zu sorgen, dass ich nicht mehr in Abhängigkeiten leben muss, sondern alleine leben kann und will.
Eigentlich müsste ich dankbar sein.
Manche denken es gibt das vorbestimmte Schicksal, andere sagen, alles ist von Gott gelenkt, ich sage, wenn ich aus dem Haus gehe, kann ich über A gehen, oder ich wähle den Weg über B, um nach C ans Ziel zu kommen. Meine Wahl ohne Wissen der weiteren Entwicklung.
Gehe ich über A, schlägt mich vielleicht ein Dachziegel tot, der runter fällt, gehe ich über B begegne ich vielleicht dem Mann meines Lebens.
Wie es weiter geht hängt natürlich auch immer von den äußeren Bedingungen ab, bei mir eben von einem früheren hohen Gewerkschaftstier mit Größenwahninfektion und vom Klösterchen, von dessen Existenz.
Es bringt mich zum Weinen, dass mit dem Schließen von Psychosomatiken den Menschen eine Möglichkeit genommen wird, nicht nur ohne Medikamente zu leben, sondern ohne Medikamente zu sich selber zu finden und sich selber zu leben.

Unten stehen Unterschiede zwischen Psychiatrie und Psychosomatik, die sicher unvollständig und gleichzeitig nicht generell gültig sind.

Psychiatrie:

Medikamente

Ergotherapie

wenn es hoch kommt Sport

vielleicht auch mal ein Gespräch, vielleicht

Eine Medikamentengesteuerte Stimmung, die meisten erhalten Medikamente.

Langeweile

Vereinzelung wegen starker ermüdender Wirkung der Medikamente

Restrektive Maßnahmen bei lauten Wutäußerungen

Psychosomatik:

meist ohne Medikamente

Ergotherapie

Kunsttherapie

Sport

Tanztherapie

Einzelgespräche

Gruppengespräche

Musiktherapie

Hypnotherapie

Familienaufstellung

Autogenes Training

Progressive Muskelrelaxation

Kognitive Verhaltenstherapie

Paar- und Familientherapie

Eine Therapie erzeugte Stimmung, meist positiv und hoffnungsvoll, viel zwischenmenschliche Kommunikation, meist keine Medikamente

Langeweile? Nein

Freude am Leben? Ja, sie entwickelt sich wieder.

 
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